In grüner Schrift steht es unmissverständlich in der Akte: „fest zusagen“. Helmut Schmidt wollte diesen Termin Anfang Juni 1983 wahrnehmen, obwohl es eigentlich andere Verpflichtungen gab. Auszeichnungen hat Helmut Schmidt nun wirklich reichlich bekommen. Diese aber hat ihn offenbar besonders gefreut. 34 Jahre nachdem Helmut Schmidt sein Studium an der Universität Hamburg abgeschlossen hatte, wurde er zum Ehrensenator derselben Universität ernannt – eine Auszeichnung, die seit 1949 bis dahin nur 22 Personen bekommen hatten und nichts zu tun hat mit dem Senatorenamt, das Schmidt 1961 bis 1965 im Hamburger Rathaus ausgeübt hatte.

Universität lobte Beharrlichkeit, Weitblick und Verständigungspolitik

Am 31. März 1983 hatte der Akademische Senat der Universität beschlossen, Helmut Schmidt mit der Ehrensenatorenwürde auszuzeichnen für
– Aufbau und Gestaltung der Demokratie in der Bundesrepublik,
– seine engagierte parlamentarische Arbeit im Deutschen Bundestag,
– seinen tatkräftigen Einsatz in schweren Zeiten sowohl als Senator als auch als Mitglied der Bundesregierung,
– Beharrlichkeit, Weitblick und Verständigung im Bereich der internationalen Politik als Bundeskanzler,
– die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Weltwirtschaft,
– die Förderung der Wissenschaft in der Bundesrepublik
– und das Repräsentieren der demokratischen Kultur des Gemeinwesens in aller Welt.

Feierstunde im Gästehaus der Reederei Hamburg-Süd

Verliehen wurde ihm die Auszeichnung bei einer feierlichen Zeremonie am 1. Juni 1983. Ort der Handlung: Zunächst der Sitzungssaal der Universität an der Edmund-Siemers-Allee 1, dann ging es weiter ins Gästehaus der Reederei Hamburg-Süd in Hamburg-Nienstedten. Gastgeber der Feierstunde war der Reeder Henry de La Trobe, ebenfalls Ehrensenator.

Schmidt war nicht der Einzige, der an diesem Tag zum Ehrensenator ernannt wurde. Mit ihm wurde sein politischer Weggefährte Karl Schiller geehrt. Unterzeichnet ist Schmidts Urkunde, die heute gemeinsam mit dem dazugehörigen Aktenvorgang im Helmut-Schmidt-Archiv in Hamburg-Langenhorn liegt, von Peter Fischer-Appelt, dem damaligen Präsidenten der Universität Hamburg.

Mit 64 noch kein Greis

In seine Dankesrede stieg Schmidt launig ein. Auch wenn das Wort „Senator“ an der lateinischen Wortwurzel „senex“ hänge und damit „Greis“ bedeute, fühle er sich – zu dem Zeitpunkt 64-jährig – doch noch nicht so. Er interpretierte die Anerkennung dahingehend, dass er sich stets nicht nur um die politische, sondern auch um die geistige Freiheit bemüht habe. Es sei ihm eine Freude, dem Kreis der Ehrensenatoren anzugehören. Dann gab es erst einen Sekt im Uni-Hauptgebäude, in Nienstedten danach einen Cocktail und später Abendessen mit rund 60 Personen, darunter sechs von acht damals lebenden Ehrensenatoren mit ihren Ehefrauen.

Start ins Uni-Leben im Wintersemester 1945/46

Als seine Alma Mater hatte die Universität Hamburg für Helmut Schmidt eine wichtige persönliche Bedeutung. Direkt nach dem Krieg konnte er einen der begehrten Studienplätze bekommen. Im Wintersemester 1945/46 begann er sein Studium der Volkswirtschaftslehre und der Staatswissenschaften. Die Jahre bis zu seinem Abschluss als Diplom-Volkswirt waren entscheidende Jahre für seine Politisierung und damit der Startpunkt seines politischen Werdegangs. Sein Einstieg in die Hamburger Verwaltung und Landespolitik war dann auch aufs engste mit Karl Schiller verknüpft. 1949 wurde Schmidt persönlicher Referent des SPD-Mannes Schiller, der zu diesem Zeitpunkt Wirtschaftssenator war. Später amtierten beide – Schiller und Schmidt – zeitglich als Bundesminister in Bonn unter dem damaligen Kanzler Willy Brandt.

1990 wurde Loki Schmidt Ehrensenatorin der Universität Hamburg

Loki Schmidt war beim Festakt im Jahr 1983 als Begleitung dabei. Sieben Jahre später sollte sie dann im Mittelpunkt stehen: Der Akademische Senat der Universität Hamburg ernannte 1990 auch sie zur Ehrensenatorin. Loki Schmidt war die Nummer 32 von heute insgesamt 42 Ehrensenatorinnen und Ehrensenatoren.

Zwei frisch gebackene Ehrensenatoren der Universität Hamburg: Helmut Schmidt (links) und Karl Schiller (rechts) am 1. Juni 1983 im Akademischen Senat. Dazwischen der damalige Universitäts-Präsident Peter Fischer-Appelt. Foto: UHH/Klaus Tornier